Hacker School Services
Menü

Drei Bausteine für KI-Assistenten

5 Min. Lesezeit

Warum wir auf spezialisierte Agenten, eine eigene Wissensbasis und Formulare aus dem Gespräch setzen – statt auf einen Chatbot für alles.

„Chatbot“ ist inzwischen ein Sammelbegriff für fast alles, was ein Eingabefeld hat. Das reicht vom Skript mit drei vorgegebenen Antworten bis zum Sprachmodell, das ohne jeden Bezug zur Organisation drauflos formuliert.

Was wir für unsere Kund:innen bauen, ist etwas anderes. Drei Entscheidungen machen den Unterschied – die dritte ist die ungewöhnlichste.

1. Ein Team von Spezialisten statt ein Gehirn für alles

Der naheliegende Aufbau ist eine einzige KI, die alles gleichzeitig macht: zuhören, das Anliegen verstehen, im Wissen nachschlagen, nachfragen, dokumentieren. Das funktioniert in der Demo. Im Betrieb wird es brüchig, weil jede zusätzliche Aufgabe die Anweisungen länger macht und die Antworten unschärfer. Wer schon einmal versucht hat, einem Sprachmodell auf zwei Seiten Prompt beizubringen, alles richtig zu machen, kennt den Effekt.

Wir setzen stattdessen mehrere spezialisierte Agenten ein, die jeweils für einen Aufgabenbereich zuständig sind und von einer übergeordneten Instanz koordiniert werden. Jeder Agent hat einen engen Auftrag, überschaubare Anweisungen und einen klar begrenzten Zugriff.

Der Gewinn ist nicht nur Qualität, sondern Wartbarkeit: Wenn die Beratung zu einem Thema nachgeschärft werden muss, ändert sich ein Agent – und nicht das Verhalten des gesamten Systems. Das ist derselbe Grund, aus dem man Software in Module schneidet.

2. Das Wissen der Organisation statt Allgemeinbildung

Ein Sprachmodell weiß erstaunlich viel und ausgerechnet über die Dinge nichts, auf die es ankommt: eure Förderbedingungen, euren Beratungsleitfaden, die Regelung, die letztes Jahr geändert wurde.

Deshalb bauen wir eine eigene Wissensbasis auf – aus FAQs, Leitfäden, Beratungsunterlagen und dem, was sonst in Ordnern und Köpfen liegt. Die Agenten greifen darauf zu und antworten damit aus den Unterlagen der Organisation, nicht aus dem allgemeinen Sprachwissen.

Das hat einen Nebeneffekt, der oft unterschätzt wird: Was nicht in der Wissensbasis steht, kann der Assistent auch nicht behaupten. Eine gepflegte Wissensbasis ist damit zugleich das wirksamste Mittel gegen erfundene Antworten – und sie gehört der Organisation, nicht dem Modellanbieter.

3. Das Formular entsteht im Gespräch

Der übliche Ablauf: Erst redet man mit dem Bot, am Ende erscheint ein starres Formular, das für alle gleich ist. Also mit Feldern, die im konkreten Fall niemanden interessieren, und ohne die eine Angabe, auf die es angekommen wäre.

Bei uns ist das umgedreht. Der Assistent erzeugt das Formular während des Gesprächs – passend zu dem, was besprochen wurde, inklusive Feldlogik und Validierung. Wer nach einer Fördermittelberatung gefragt hat, bekommt andere Felder als jemand mit einer Frage zur Mitgliederverwaltung.

Das ist der technisch anspruchsvollste Teil, und zwar nicht wegen der Felder, sondern wegen der Validierung. Ein Formular, das sich frei erfinden lässt, erzeugt Daten, die hinterher niemand auswerten kann. Die Kunst liegt darin, dem Assistenten Spielraum bei der Auswahl zu geben und ihn bei Format, Pflichtfeldern und Plausibilität eng zu führen. Was hinten herauskommt, muss in die bestehenden Systeme passen.

Was das für Non-Profits heißt

Drei Dinge, die im Alltag ankommen:

  • Weniger Abbrüche. Menschen füllen ein Formular eher aus, wenn es kurz ist und offensichtlich zu ihrem Anliegen gehört.
  • Bessere Daten. Angaben, die im Gespräch schon geklärt wurden, müssen nicht noch einmal getippt – und damit auch nicht falsch getippt werden.
  • Entlastung an der richtigen Stelle. Die immer gleiche Einstiegsfrage beantwortet der Assistent. Die Fälle, die wirklich Beratung brauchen, kommen vorbereitet bei Menschen an.

Wann ihr das alles nicht braucht

Die ehrliche Gegenrechnung: Dieser Aufbau lohnt sich nicht immer.

Wenn ihr zwanzig wiederkehrende Fragen habt und sonst wenig, ist eine gut gepflegte FAQ-Seite schneller gebaut, günstiger im Betrieb und für die Besucher:innen oft angenehmer. Wenn es keine Unterlagen gibt, aus denen sich eine Wissensbasis speisen lässt, ist das Aufräumen der erste Schritt – nicht der Assistent. Und wenn am Ende niemand die erfassten Daten weiterverarbeitet, löst auch das beste Formular kein Problem.

Wir sagen das lieber vorher als hinterher. Die Frage ist nie „KI oder nicht“, sondern ob der Aufwand an dieser Stelle mehr zurückgibt, als er kostet.

← Zurück zur Übersicht

Gleiche Herausforderung?
Dann sprechen wir.

Wir melden uns innerhalb eines Werktags.